Geschichte der Stiftung: Am 3. Juni 1998 ...

... ereignete sich auf der Bahnstrecke Hannover-Hamburg am Strecken-Kilometer 61 in der Gemeinde Eschede (Niedersachsen) das bislang schwerste Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bei der Entgleisung des ICE 884 Wilhelm Conrad Röntgen kamen 101 Menschen ums Leben, 88 wurden schwer verletzt.
Rund 1.900 Helfer von Rettungsdienst, Technischem Hilfswerk, Polizei und Bundeswehr sowie rund 500 Einsatzkräfte der Feuerwehr mit etwa 100 Fahrzeugen waren im Einsatz. Der Rettungsdienst war mit 274 Rettungsfachleuten, 19 Hubschraubern, 42 Kranken- sowie 46 Rettungswagen beteiligt. Die Bundeswehr war mit 190 Soldaten, drei Bergungspanzern, drei Transall-Transportflugzeugen sowie 18 Hubschraubern vertreten. 40 Ärzte und 39 Notärzte sowie 268 Mitarbeiter des nichtärztlichen Rettungsdienstes waren ebenfalls in die Rettung eingebunden.
Die Verarbeitung dieses Unglücks bedeutete auch für routinierte Helfer eine außergewöhnliche psychische Belastung. Eine Vielzahl von Verletzten und tödlich verunglückten Menschen. Bilder und Erlebnisse, die sich tief in die Psyche der Helferinnen und Helfer eingebrannt haben.
Das Zugunglück von Eschede war das erste große Unglück in Deutschland, bei dem anschließend systematisch und in großem Umfang Einsatznachsorge und Notfallseelsorge betrieben wurden. Zahlreiche Seelsorger waren in den Tagen nach dem Unglück vor Ort um Betroffene, Angehörige und Rettungskräfte zu unterstützen und zu begleiten. Durch diesen Einsatz ist die Herausforderung von seelischer Traumata von Helferinnen und Helfern auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Spätestens jetzt war für den Deutschen Feuerwehrverband (DFV) klar, dass hier dringender Handlungsbedarf erforderlich war. Bei mehr als 3,5 Mio. Einsätzen leisten Feuerwehrfrauen und –männer im Jahr Hilfe. Sie helfen bei Brandeinsätzen sowie technischen Hilfeleistungen – oft unter schwierigsten Umständen. Manchmal kommt die Hilfe jedoch zu spät.
Auch Feuerwehrleute müssen das Geschehen verarbeiten. Manchmal verkraften sie das Erlebte nicht, leiden im Nachhinein unter Angstzuständen, Schuldgefühlen, seelischer Erschöpfung. Dann brauchen sie selbst Hilfe.

Es entstand der Gedanke, hier konkret zu helfen. Insbesondere wurden über die Unterstützung von Einsatzkräften der Feuerwehr bei der Bewältigung besonders belastender Einsatzerfahrungen, wie sie z.B. bei schweren Verkehrsunfällen oder dem Massenanfall von Verletzten auftreten können, nachgedacht. Schwerpunkte sollten die Förderung geeigneter Präventionsmaßnahmen (z.B. durch konsequente Einbindung der Thematik in die Ausbildung der Einsatzkräfte), aber auch angemessene Begleitangebote an entsprechenden Einsatzstellen (z.B. durch qualifizierte Notfallseelsorge bzw. Notfallnachsorgesysteme) oder geeignete längerfristige Nachsorgeangebote sein, die auch das soziale Umfeld der Einsatzkräfte einbeziehen.
Orientiert an den Prinzipien einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ und auch zur Qualitätssicherung im Bereich der Notfallseelsorge und Notfallpsychologie wurde als besondere Aufgabe eine bundesweite Koordination und Vernetzung von Aktivitäten erkannt. Ein weiteres Tätigkeitsfeld sollte auch die Förderung von geeigneten Wiederherstellungs- und Erholungsmaßnahmen sein.

Mit der DaimlerChrysler AG war im Jahr 2000 rasch ein Partner gefunden, der sofort bereit war, durch die Stiftung einen erforderlichen finanziellen Grundstock zur Finanzierung der Arbeit zu legen.

Am 22. Dezember 2000 konnte dann in Fulda die Genehmigungsurkunde und die Verfassung der Stiftung „Hilfe für Helfer“ entgegengenommen werden.
Damit wurde die Stiftung offiziell anerkannt und die Arbeit konnte beginnen.